Als ich mit meiner letzten Buch-Serie ACOTAR / Das Reich der sieben Höfe fertig war und auf das neueste Buch warten musste, habe ich nach etwas zur Überbrückung gesucht. Hier kam mir relativ schnell die deutsche Autorin Liza Grimm in den Sinn. Ich hatte sie seit einiger Zeit auf dem Schirm, da ich durch Zufall gesehen habe, wie sie bei „Horde“, einem Pen-and-Paper mit unter anderem Gronkh, den Dungeon Master gemacht hat und auch die Story geschrieben hat. Sie ist mir durch ihre herzliche Art aufgefallen und mir in Erinnerung geblieben.

Zwischendurch habe ich ihren Twitch-Kanal ein wenig verfolgt, wo ich immer wieder Infos zu ihrer Bücher-der-Macht-Serie gesehen habe, zu der auch Eislotus als Eröffnung gehört. Durch mein Interesse am Norden habe ich aber zuerst ein älteres Buch von Liza Grimm gelesen. Die Götter von Asgard war eine schöne Geschichte, die ich zwar sehr genossen habe, die mich allerdings nicht unendlich aus den Socken gehauen hat. Danach entschied ich mich endlich, mich mit Eislotus, einem ihrer neuesten Bücher, auseinanderzusetzen. Und giiirl, war das worth it…

Grundlegend zusammengefasst geht es um die Geschichte zweier Seelengebundener Nara und Katso, aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist. Die zwei können durch ihr Seelenbuch Elementmagie nutzen und müssen an einer Akademie gegeneinander und gegen noch deutlich mehr weitere Konkurrenten antreten. Wenn du Die Tribute von Panem magst und etwas mit Magie anfangen kannst, kann ich dir Eislotus nur wärmstens empfehlen. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen, und der gemütliche Einstieg endete in einem sehr fesselnden Finale. Gib dem Buch also auf jeden Fall mal bis zur Hälfte!

In diesem Blogpost möchte ich meine Gedanken zu dem Buch ein wenig sammeln. Da ich selber von Spoilern immer ein wenig genervt bin1, sei hier gewarnt: Spoiler voraus! Ich werde meine Gedanken zu dem gesamten Buch hier offenlegen und deswegen wird es zwangsläufig zu Spoilern kommen. Die nächsten Abschnitte beinhalten nur leichte Spoiler. Wenn du also noch nicht ganz überzeugt bist und noch mehr lesen möchtest, lies weiter. Ich werde nochmal warnen, wenn es zu größeren Spoilern kommt!

Welt und Background

Ich bin großer Fan von Welten, die einen hineinsaugen und so viel Charakter haben, dass sie schon fast wie eine eigene Hauptperson zu betrachten sind. Beispiele, wo ich das für gelungen halte, sind die Witcher-Bücher oder das Cyberpunk 2077 Spiel.

Im Fall von Eislotus handelt es sich um eine Welt, in der es vier verschiedene Elemente gibt, auf denen die Magie basiert: Wasser, Feuer, Erde und Luft. Basierend auf diesen Elementen gibt es verschiedene an Nationen erinnernde Regionen, die jeweils eine Insel sind. In diesen Regionen gibt es dann jeweils Städte, die ebenfalls untereinander konkurrieren, genauso wie die Regionen selbst.

Der Clou ist nun, dass die Magie nicht einfach so und einfach jeder ausüben kann. Neeein. Man muss seine Seele an ein Buch binden, damit dies möglich ist. Ein sogenanntes Seelenbuch erlaubt es einem, sowohl auf die Elementmagie zuzugreifen als auch mit den Personen im Buch zu kommunizieren. In der „Die Bücher der Macht“-Reihe wird man, wenn man an ein Seelenbuch gebunden ist, nämlich „zu Tinte“, falls man stirbt, und ist so unsterblich. Der große Nachteil ist allerdings, dass, wer das Seelenbuch in seiner Gewalt hat, damit auch das Schicksal der gebundenen Person „besitzt“.

Die wertvollste Ressource in dieser Welt sind die Buchbinder, denn durch sie können überhaupt erst Seelen an die Bücher gebunden werden. Da dafür früher große Kriege geführt wurden, kam man überein, dass sich nur noch wenige in einem Stellvertreterkrieg messen sollen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.

Dies findet in der Akademie auf der zentralen Insel Lort statt. Diese Insel gehört nicht zu einer der Regionen, sondern ist so etwas wie die neutrale Hauptstadt eines losen Föderalstaates. Dort wird Priorität darauf gelegt, alles gerecht zu mischen. Hier stehen die klassischen Häuser verschiedener Regionen Wand an Wand. Auch die Ungebundenen, die ihre Seele an kein Buch gebunden haben oder binden können, sind hier gleichwertig vertreten, während sie in anderen Regionen eher als Abschaum behandelt werden.

Die Akademie soll den Gesandten aus den Regionen die Möglichkeit bieten, zu lernen, sowohl im Kampf als auch mit ihrem Element besser zu werden, um dann schließlich im Ritual des Lichts final zu entscheiden, welche Stadt die Buchbinder für den nächsten Zyklus erhält. Dies ist dadurch für die Städte von höchster Wichtigkeit, jemanden zur Akademie zu schicken, der gewinnt. Die Auswahl muss ausdrücklich nicht tödlich verlaufen, kann das aber sehr wohl.

Generell, finde ich, erinnert das Grundsetting ein wenig an eine Mischung aus Hunger Games meets Magie mit einem Element an Vertrauenslosigkeit. Denn während der ganzen Geschichte hat man das Gefühl, dass man auf keinen außer den Hauptcharakteren so richtig zählen kann. Sowohl Akademie als auch Gegner wirken zwar teils vertrauenswürdig, aber irgendetwas passiert, das nicht zu dieser shiny Oberfläche passt.

Hauptcharaktere

Aus den Perspektiven dieser zwei Charaktere ist die Geschichte geschrieben, deswegen bezeichne ich sie hier mal als die Hauptpersonen, auch wenn meiner Meinung nach vor allem Pulta noch eine deutliche Relevanz hat. Zu ihr aber später noch mehr.

Nara

Nara ist eine Mondgebundene (Wasser) und lebt im Norden im Eis. Was interessant ist, ist, dass sie mit dem Mond und nicht der Sonne leben. Nara ist sehr pflichtbewusst und gilt als Beschützerin Koris, ihrer Heimatstadt. Zu der Ehre, Beschützerin ihrer Stadt zu sein, ist sie durch den frühen Tod ihrer Eltern gekommen, nachdem sich ihr großer Bruder einzig ins Aufklären dieses mysteriösen Unglücks verbissen hat. Sie wirkt sehr freundlich, offen und herzlich. Generell erinnert die Kultur ein wenig an die nordische Region unserer Welt.

Katso

Katso dagegen ist ein Sonnengebundener (Feuer) und kein Held seiner Heimat wie Nara. Er muss eher darum kämpfen, um sich über Wasser halten zu können. Im Vergleich zu Nara ist er deutlich mehr morally grey, hat aber sein Herz definitiv am rechten Fleck. Die Kultur in Sa, seiner Heimatstadt, ist eher formell und höflich und auf Kampf und Ehre getrimmt. Auf Außenstehende wirkt das ein wenig verkrampft.

Meinung

Ich empfand anfangs eher neutrale Gefühle gegenüber der Geschichte, da das Konzept von Seelenbüchern für mich eher hart zu schlucken war. Ich bin normalerweise eher Freund von dunklen Welten, die ähnlich der unseren sind. So etwas wie Panem in Hunger Games oder der Kontinent in Witcher sind meiner Meinung nach nicht weit weg von unserer dunklen Welt. In diesem Buch scheint es anfangs so, als ob es eine shiny Welt wäre, aber mit stetiger Progression fühlt es sich immer mehr danach an, dass hier doch etwas sehr shady sein mag. Wenn man ehrlich ist, war ja schon bei Naras Ankunft in Lort die Stadt verdächtig.

Nach einiger Zeit habe ich mich aber an das Magiekonzept gewöhnt und die für mich herrschende Neuheit in ihm gesehen. Gegen Mitte des Buches nimmt dann auch die Spannung nochmal deutlich zu und wird gegen Ende sogar seeehr hoch. Deswegen muss ich auch sagen, dass mir das Ende am besten gefallen hat.

Eine interessante Idee, die mich vor allem am Ende auf etwas, das ich verpasst habe, aufmerksam gemacht hat, ist, dass Liza Fußnoten als eine Art Kommunikation mit dem Seelenbuch verwendet hat. Das heißt, wir sehen immer wieder einen kleinen Satz oder zwei, den ihr Seelenbuch zu uns, den Lesern, sagt.

Achtung

Ab hier werden die Spoiler größer!

Nebencharaktere

Natürlich gibt es noch einige weitere Charaktere, außer Nara und Katso. Auf diese gehe ich jetzt erst ein, da hier der ein oder andere Spoiler auf dich wartet.

Pulta

Pulta ist eine Erdgebundene und fühlt sich für mich nach einer dritten Hauptperson an. Sie sticht durch erstaunlich ausgeprägte Ehrlichkeit heraus. Sie trifft auf Nara und Katso relativ am Anfang, als sie auf Lort ankommen und zusammen ein Kind aus einem brennenden Haus retten. Genau diese Anfangs-Dreierkonstellation und dass sie eine relativ konstante wichtige Rolle über das gesamte Buch trägt, macht sie für mich zu dieser Art dritten Hauptperson. Ihre gnadenlose Ehrlichkeit ist für mich auch irgendwie sehr sympathisch, wenn es auch etwas befremdlich sein kann.

»Ehrlichkeit ist die beste Rüstung, denn sie ist die einzige ohne Fehler.« — Pulta

Zerdaya

Zerdaya ist seit dem ersten Tag in der Akademie eine Freundin oder Verbündete von Nara. Meiner Meinung nach haben sich aber schon verhältnismäßig schnell Red Flags in ihrem Verhalten bemerkbar gemacht. Spätestens als Zerdaya im Geschichtsraum weird wurde, Pal, einem ziemlich arroganten Mitschüler, der Nara etwas zeigen wollte, gegenüber plötzlich schnippisch war und so schnell wie möglich wegwollte, haben sich diese stark verhärtet. Dass sie Pal von früher kennt, hat sie Nara übrigens erst erzählt, als Pal es schon angesprochen hatte. Theoretisch hätte das zwar auch einfach eine Reaktion darauf sein können, dass Pal ein ziemliches Arschloch-Auftreten hat und sie eine Vorgeschichte mit ihm hatte, aber allein die Tatsache, dass Pal das Ganze Nara erzählt und nicht sie, ist suspicious gewesen, meiner Meinung nach.

Kaya

Kaya ist ein alter Freund von Katso, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Er wirkt anfangs wie ein wirklich guter Typ, aber gegen Ende verliert er sowohl an Rückgrat als auch an Bedeutung.

Zusammenfassung der Handlung (mit Ende)

Die Geschichte beginnt kurz vor der Abreise der zwei Hauptpersonen in ihren Heimatstädten. Wir erfahren zunächst ein wenig Background zu ihnen und begeben uns dann auf die Reise Richtung Lort. Auf Lort treffen dann recht schnell Nara, Katso und Pulta aufeinander. Die drei retten zusammen nämlich ein Kind aus einem brennenden Haus. Nara und Katso merken beide hier schon, dass sie eine besondere Connection zueinander haben. Und… Trommelwirbel… natürlich verleugnen sie es erstmal beide. Wobei Katso hier schon fast nach einem Date gefragt hätte. Aber eben nur fast… Na ja, irgendwo muss die Spannung ja auch herkommen, was? Nun ja, danach geht’s an die Akademie, wo gelernt und gestorben wird, da sowohl im Stillen als auch öffentlich Elementgebundene sterben. Das alles ist ein wenig merkwürdig und auch die Vertrauenswürdigkeit von sowohl Akademie als auch der Lehrerinnen ist fraglich.

In der Akademie lernen die Elementgebundenen sowohl zu kämpfen als auch mit ihrem Seelenbuch zu kommunizieren und Magie zu üben. Die Dynamik zwischen den Charakteren hat hier auch genügend Zeit, sich zu entwickeln. Bei ein paar der Charaktere ist man sich währenddessen auch nie so sicher, ob sie nicht doch ein falsches Spiel spielen. Es werden außerdem verschiedenste Auswahlverfahren durchlaufen. Diese sind teils auch eine Art Show für die Bewohner Lorts. Dabei haben unsere liebsten drei, Nara, Katso und Pulta, aber ein Problem. Die Mutter, deren Kind sie gerettet haben, beschuldigt sie, das Feuer absichtlich gelegt zu haben, um wie Helden dazustehen. Trotz dieses zusätzlichen Hindernisses bewältigen alle drei die Auswahl.

Die Spannung gipfelt dann in dem Moment, in dem Nara merkt, dass ihr Seelenbuch geklaut wurde, und Katso direkt neben ihr steht. Da Katso von Nara ja recht angetan ist, hilft er ihr natürlich sofort. Auf der Suche nach ihrem Seelenbuch treffen sie dann auf eine Gruppierung von Menschen mit seltsamen Masken, die Nara entführen. Katso verschwendet keinen Gedanken daran, zu fliehen, als er die Möglichkeit hat, sondern eilt sofort Nara zu Hilfe. In dem Versteck der Masken muss Katso dann direkt gegen eine Übermacht von ihnen antreten. Dies ist nur möglich, da sie keine Magie anwenden. Man begleitet hier Katso bei den ersten Menschen, die er getötet hat, was ihn spürbar trifft. Er schafft es jedoch, bis zu Nara vorzudringen, wo er dann schlussendlich übermannt und gefangen genommen wird.

Nara wacht nach einiger Zeit auf und schafft es, sich mit einer Scherbe zu befreien, ihr Seelenbuch zu schnappen, das die Angreifer auch gestohlen haben, und ihrer Wärterin zu entkommen. Bei der Flucht verletzt sie die Angreiferin mit ihrer OP-Waffe, der Scherbe. Vor dem Kampf, als ihre Wärterin mit einigen anderen Maskenträgern spricht, meint Nara auch die Stimme zu kennen. Durch die Maske ist diese aber so verzerrt, dass sie sie zunächst nicht zuordnen kann. Anders als Katso möchte sie nur entkommen und hofft, dass er einfach in der Akademie ist…

In der Akademie stellt sich dann heraus, dass ihre angebliche Freundin Zerdaya bei den Masken ihre Wärterin war und es somit sie war, gegen die sie gekämpft hat, da sie eine entsprechende Wunde hatte, als sie bei der nächsten Auswahl auftauchte. Nur einer fehlt bei der Auswahl: Katso…

Mit diesem Cliffhanger endet dann das Buch. (Ich habs dir ja gesagt, hihi^^)

Abschluss

Für mich fühlt es sich so an, als wäre die Beziehung der Hauptpersonen auf einem guten Weg. Die Charaktere sind jetzt vertrauensvoll zueinander und ich zweifle nicht daran, dass Nara Katso retten will. Ein Problem in Teil zwei könnte vielleicht noch sein, dass Pulta noch ein wenig außen vor gelassen wirkt und Nara jetzt mit ihr zusammenarbeiten muss, um Katso zu retten. Aber ich hoffe sehr, dass Nara und Pulta dadurch zueinander finden. Vom zweiten Teil wünsche ich mir außerdem, dass zwischen Nara und Katso eine wirkliche Romanze entsteht und die beiden mit Pulta vielleicht zu einer Art Chosen Family oder zumindest einem eingeschworenen Team zusammenwachsen.

Ich bin jetzt auf jeden Fall sehr hooked und freu mich darauf, dass mich mal mindestens noch drei weitere Bücher erwarten. In der Leseliste habe ich mal vier von fünf Sternen vergeben. Ich tu mir allerdings sehr schwer mit Buch-Ratings, da es im direkten Vergleich mit anderen Büchern oft dann doch ganz anders ausschaut. Relevant ist, dass ich bei der Geschichte sehr viel Spaß hatte und ich sie auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

Ich hoffe, dass meine kleine Zusammenfassung und Meinung interessant waren, und werde direkt mit den weiteren Büchern anfangen, als Erstes mit Band 2, „Feuerlilie“.

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  1. Und leider dazu neige, durch unvorsichtiges Besuchen von Wiki-Seiten dann doch auf Spoiler zu treffen. ↩︎