Vor ein paar Monaten hab ich mir ein neues Objektiv zugelegt. Das NIKKOR Z 180-600mm zusammen mit einem 1,4x-Teleconverter. Für alle, die nicht in den Details der Fotografie drinnen sind, keine Panik, das hier wird kein technischer Post. Nur kurz: Die Millimeterangabe beschreibt die Brennweite eines Objektivs. Dabei gilt, je höher die Brennweite, desto näher erscheint das zu fotografierende Objekt. Zur Einschätzung: 50mm entspricht bei Vollformat hierbei dem menschlichen Auge und 100mm wirkt ungefähr zweimal so nah wie mit dem Auge.

Die Faustregel ist: Brennweite / 50mm = Vergrößerung

Wie man sieht, ist das ein Objektiv für die Ferne. Ich hatte bis jetzt allerdings nur hin und wieder Gelegenheiten, es einzusetzen. Mein Hauptfokus liegt hierbei auf der Wildlife-Fotografie, in die ich mit dem Objektiv einsteigen konnte. In diesem Post möchte ich von einer meiner ersten und derzeit besten Wildlife-Erfahrungen berichten, bei der ich nicht nur einen Adler, sondern gleich einen Seeadler sowie Fischadler fotografieren konnte.

Die Nicklheimer Filze

Die Nicklheimer Filze, auch Nicklheimer Filzen genannt, ist Teil der Rosenheimer Stammbeckenmoore südwestlich von Rosenheim. Das Wort Filze ist das oberbayrische Pendant zu Hochmoor. Das Gebiet ist sowohl durch Natura 2000 (EU-Recht) und Ramsar (International) als auch als Landschaftsschutzgebiet (Bayern) geschützt. Diese Schutzstati sind verschieden gewichtig. Zum Beispiel erlaubt ein Landschaftsschutzgebiet generell das Verlassen der Wege. Allerdings wird durch Beschilderung darauf hingewiesen, dass sich auf den Wegen aufzuhalten ist. Um die Tiere zu schützen sollte sich auch daran gehalten werden.

Ich war immer wieder gerne in den nahegelegenen Nicklheimer Filzen (ca. 20min mit dem Auto von Rosenheim und gleich neben Raubling). Die Atmosphäre ist sehr angenehm, wenn gerade nicht viele Besucher da sind. Aber selbst tagsüber können interessante Vögel in der renaturierten Moorlandschaft beobachtet werden. Mein Plan war aber ein anderer. Ich wollte zum Sonnenaufgang früh raus, um vor den Familien und vielen Menschen da zu sein. Und natürlich auch, um mehr Tiere zu sehen, die das erste Licht genießen, was die Wahrscheinlichkeit, seltene Tiere zu erwischen, deutlich erhöht. Außerdem bietet das Licht der Golden Hour eine gute Möglichkeit, schönes Licht zu verwenden. Der Nachteil ist natürlich, dass man beim Fotografieren zuerst mit wenig Licht umgehen muss.

Gedacht, getan, Wecker auf 05:30 Uhr gestellt, das Kamera-Equipment hergerichtet, Outdoor-Kleidung übergeworfen und ab ins Auto Richtung Moor. Als Erstes habe ich versucht, so leise wie möglich zur ersten Beobachtungsstelle zu gehen. Um diese Uhrzeit war es selbst im August noch recht dunkel, aber die großen und kleineren Wege waren trotzdem problemlos ohne Taschenlampe begehbar. Angekommen am ersten Spot hab ich in die Dunkelheit gelugt, aber keine Vögel oder die Schatten dieser erkannt. Dafür hat man einiges gehört, aber am lautesten waren die Gänse, die wie zwei sich beschimpfende Lager versucht haben, sich gegenseitig zu übertönen.

Nachdem nach einer Weile immer noch nichts zu erkennen war, hab ich beschlossen, zur nächsten Stelle weiterzugehen. Die Früh war auch erstaunlich kalt für die Jahreszeit. Trotz Fleecejäckchen und langer Outdoor-Hose war es frisch. Angekommen am zweiten Spot hab ich erstmal einen Baum voller Kormorane gesehen. Zu meinem Glück haben die Tiere einen ähnlichen Geschmack für Ästhetik wie ich, denn sie haben sich den meiner Meinung nach schönsten Baum in der Richtung ausgesucht, der auch schön von der Sonne beschienen wurde. Die Tiere haben anfangs noch geschlafen, aber später, als es schon heller wurde, sind sie fast alle gemeinsam aufgebrochen.

Meine Vogelbeobachtungen bei der Moorstation Nicklheim

Was außerdem viel zu sehen war, waren Gänse, Enten, Fischreiher und andere gewöhnlichere Vögel wie zum Beispiel Amseln. Das Highlight des Tages waren aber gleich zwei Greifvogelsichtungen. Zuerst habe ich einen Vogel auf einem weiter entfernten Baum auf der Spitze sitzen sehen. Man hat bereits erkannt, dass es ein größerer Vogel war. Deswegen hab ich natürlich gleich die Kamera draufgehalten und viele Fotos gemacht und versucht, den Start des Tieres zu erwischen. Bei genauerer Betrachtung im Nachhinein hab ich erkannt, dass es sich hierbei um einen Fischadler (Pandion haliaetus) handeln muss. Der Vogel ist Richtung Wasser geflogen und als er hinter einem Baum wieder herauskam, war es plötzlich ein anderer Vogel…

Ein Seeadler (Haliaeetus albicilla), wie sich im Nachhinein gezeigt hat. In dem Moment hab ich im Eifer des Gefechts nicht mal bemerkt, dass ein anderer Vogel vor meine Linse geflogen ist. Dass es zwei waren, hat sich dann auch gezeigt, als sich beide angegriffen haben. Direkt über der Wasseroberfläche war das. Dann hat sich der Fischadler aber zurückgezogen und die Überlegenheit des deutlich größeren Seeadlers anerkannt. Der Seeadler hat dann ein paar mächtige Züge über das Wasser geschlagen und ist wieder Richtung genau dem Baum geflogen, in welchem vorher der Fischadler Ausschau gehalten hat.

Gleich zwei Tiere an meinem ersten Morgen in den Filzen zu erwischen, die dann auch noch miteinander interagiert haben, muss vermutlich mein Glück für das ganze Jahr aufgebraucht haben. In Bayern brüten von beiden nämlich nur sehr wenige Paare, 2018 waren es 18 Fischadler- und 14 Seeadlerpaare.1 Beim Seeadler nimmt der Bestand aber wieder zu, für 2020 nennt der LBV schon mindestens 25 Reviere.2 Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz schreibt bei dem Status des Fischadlers auf seiner Website, dass er zwar in Deutschland nur gefährdet, dafür in Bayern aber sogar “Vom Aussterben bedroht” ist.3 Was ich aber erst hinterher gelernt hab: Der Fischadler brütet in Bayern nur in der Oberpfalz und in Oberfranken, bei uns in Oberbayern also gar nicht. Dafür ziehen die Tiere ab August aus den Brutgebieten ab und sind bis in den November als Durchzügler unterwegs.4 Meiner war also vermutlich so einer und kein bayerischer Brutvogel. Dass ich also direkt zwei seltene Vögel an derselben Stelle getroffen habe, muss wahnsinniges Glück gewesen sein, spricht natürlich aber auch sehr für das Gebiet. Vermutlich wollten beide Greifvögel im relativ großen Wasserbereich auf Fischfang gehen und dabei ist der kleinere Fischadler (Flügelspannweite bis zu 1,70 Meter)5 dem größeren Seeadler (Flügelspannweite von bis zu 2,40 Meter)2 in die Quere gekommen und wurde vertrieben.

Den Fischadler konnte ich dann tatsächlich auch später noch beobachten und fotografieren, wie er über einen anderen Teil der Filze geflogen ist. Nach diesem doch recht aufregenden und spannenden Part hatte ich noch einige weitere Gelegenheiten für schöne, aber nicht so spektakuläre Beobachtungen wie Fischreiher, die im goldenen Licht fliegen, oder Gänse neben dem Wendelstein, der durch die Eigenschaft des Teleobjektivs näher an das Motiv gerückt wurde.

Sonstiges Wildlife im Moorgebiet

Nachdem es schon eine Weile hell war, hab ich mich dann langsam auf den Weg gemacht, um nochmal einen anderen Teil der Umgebung näher zu beobachten. Ich hatte mir auch die Hoffnung gemacht, ein Reh sehen zu können, da ich das typische “Bellen” aus der Richtung gehört hatte, in die ich gehen wollte. Und ja, tatsächlich, als ich bei einer Schiene nach links schaue, schaut mich aus ein paar Metern Entfernung ein Reh an und lässt sich brav ablichten und verschwindet dann langsam und ohne größere Angst im Unterholz. Wobei wir wieder beim Thema Glück mit diesem Erlebnis wären.

Auf dem weiteren Erkundungsweg hab ich zwar interessante Landschaft gesehen, aber außer einem Eichhörnchen auf dem Weg zurück zum Auto keine besonderen Entdeckungen gemacht. Das Eichhörnchen war auch wirklich so schnell, dass ich keine Chance hatte, es vor die Linse zu bekommen.

Alles in allem war das mit Abstand meine krasseste Wildlife-Begegnung, die ich bis jetzt hatte. Das macht es aber natürlich umso spannender. Direkt am Anfang so belohnt zu werden, hat auf jeden Fall die Langzeitmotivation stark erhöht und ich werde öfter solche Aktionen machen. Falls dich das interessiert, kannst du gern den RSS-Feed abonnieren, dir die Galerie ansehen oder regelmäßig auf dieser Homepage vorbeischauen.


  1. Ornithologische Gesellschaft Bayern, Artenhilfsprogramm Fisch- und Seeadler: https://www.og-bayern.de/ahp-fisch-und-seeadler/ Stand 27.08.2026 ↩︎

  2. LBV, Artenportrait Seeadler: https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/seeadler/ Stand 27.08.2026 ↩︎ ↩︎

  3. LBV, Artenportrait Fischadler: https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/fischadler/ Stand 27.08.2026 ↩︎

  4. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Artensteckbrief Fischadler: https://www.lfu.bayern.de/natur/sap/arteninformationen/steckbrief/zeige?stbname=Pandion+haliaetus Stand 27.08.2026 ↩︎

  5. LBV, Artenschutzprojekt Fischadler: https://www.lbv.de/naturschutz/artenschutz/voegel/fischadler/ Stand 27.08.2026 ↩︎